2. Die Erschaffung des Menschen¶
Die Bibel berichtet zweifach über die Erschaffung von Himmel und dieser Erde. Die Himmel — wegen der Pluralform im hebräischen Grundtext ist von einer Mehrzahl auszugehen — und die Erde entstehen für sich am Anfang durch Gottes Schöpferkraft, nähere Einzelheiten dazu werden nicht berichtet. Die weiteren Aussagen konzentrieren sich darauf, wie Gott auf diesem Planeten „Erde", der ausgangs völlig wüst und leer war, schrittweise eine wunderbare Lebensfülle und Vielfalt allein durch sein Wort hervortreten lässt.1
Gott erschuf den Menschen, Mann und Frau, als krönenden Abschluss seiner Schöpfung: Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. (1. Mose 1,26).
Die Mehrzahl „Lasset uns" bezieht sich auf den für Menschen unbegreiflichen Gott in seiner Gesamtheit — aus der Schrift wissen wir von Gott dem Vater, von Gott dem Sohn (Christus) und vom Heiligen Geist. Die Rolle von Christus wird dabei in Kolosser 1,16-17 betont: Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.
Keineswegs sagt die Bibel, dass etwa die Engel bei der Schöpfung des Menschen unterstützen oder mithelfen konnten. Gott allein ist der Schöpfer. Er ausschließlich ist der Ursprung und die Quelle allen Lebens — und seine Geschöpfe sind Ergebnis, sie sind damit seine Wirkung. Der Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf ist unaufhebbar, ein Geschöpf kann niemals „sein wie Gott".
Gleichwohl erschafft Gott den Menschen nach seinem eigenen Bilde, dieser ist ihm ähnlich. Diese Aussage gilt ausschließlich für den Menschen, der gegenüber den Tieren besonders ausgeprägte Fähigkeiten erhält. Um die Natur des Menschen zu beschreiben, ist es also wichtig zu beachten, was die Bibel uns über Gott erkennen lässt. Jesus spricht darüber in Johannes 4,24: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Es geht demnach um die persönliche Beziehung des Menschen zu Gott auf der geistigen Ebene. Wenn nun Gott selbst Geist ist und der Mensch nach seinem Bilde geschaffen ist, muss es eine Ebene außerhalb des körperlich Sichtbaren geben, auf der diese Beziehung stattfindet.
Weil wir Menschen der Sünde verfallen sind, können wir Gott in unserem falschen Zustand (ein faktisch totes Leben) körperlich nicht direkt begegnen, zumal wir bereits beim Anblick seiner überwältigenden Herrlichkeit sofort sterben würden. Damit kann die Beziehung von Seiten des irdischen Menschen zu Gott nur geistiger Natur sein.
Der Mensch erhält in Gottes Schöpfung der Erde die oberste Position, er soll über die Erde „herrschen". Dieses Herrschen im Auftrag Gottes hat aber nichts mit der heutigen Ausbeutung der Natur, verbunden mit Tierquälerei, Verwüstung und Vergiftung der Erde zu tun, sondern es geht um die auf den Menschen übertragene Verantwortung für das Versorgen und Bewahren einer in sich vollkommen harmonischen Schöpfung: Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. ... (1. Mose 1,31). Die heutige Erde ist zwar an vielen Stellen immer noch beeindruckend schön und zeugt, für alle Menschen erlebbar, von der Existenz eines Schöpfers. Von ihrer harmonischen Perfektion vor dem Sündenfall2 und von ihrer schon etwas eingeschränkten Pracht vor der Sintflut ist die Erde inzwischen aber weit entfernt.
Der zweite biblische Bericht über die Schöpfung schließt sich beginnend ab 1. Mose 2,4 unmittelbar an den ersten Überblick über die Schöpfungswoche an und gibt uns eine für die Natur des Menschen entscheidende Aussage: Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele. (1. Mose 2,7). Beschrieben wird hier die Erschaffung Adams, des ersten Menschen. Der Name Adam bezieht sich auf adamah für Erde oder Erdboden und betont die bestehende Bindung, aber gleichzeitig auch die Bedeutung Adams für die Erde.
Adam bekommt sein Leben persönlich und buchstäblich vom Schöpfergott eingehaucht. Er ist der erste Mensch, aber er ist zunächst allein. Als er im Auftrag Gottes die Tiere benennt, wird ihm deutlich, dass ihm eine Gefährtin fehlt. Bei der Erschaffung des zweiten Menschen geht Gott grundlegend anders vor als bei Adam. Er entnimmt ein Stück Fleisch aus dem schlafenden Adam und formt daraus Eva: Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm und brachte sie zu ihm. (1. Mose 2,22).
Damit stammt Eva aus Adam, sie hat kein „eigenes", also ein von Adam unabhängiges Leben von Gott erhalten. Das bedeutet, alle Menschen entstammen als Nachkommen Adam und Evas aus nur einem einzigen Leben3: Und er hat gemacht, daß von einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt und vorgesehen, wie lange und wie weit sie wohnen sollen; (Apostelgeschichte 17,26).
Der Mensch wird von Gott herausgebildet aus zwei Bestandteilen. Zum einen aus ein wenig Erde, in anderen Bibelstellen auch als Staub und Lehm bezeichnet. Erde, Lehm oder Staub sind an sich nichts Besonderes und kommen häufig vor. Aus der Naturwissenschaft wissen wir, dass sich Materie aus chemischen Elementen und letztlich Atomen zusammensetzt. Alle Materie unterliegt festen Naturgesetzen, die die Ordnung in der Schöpfung sicherstellen. Diese Naturgesetze hat Gott in seiner Schöpfung gesetzt. Er ist nicht an sie gebunden, jedoch dienen die Naturgesetze seinen Zwecken.
Gott formt den Körper also aus herkömmlicher Erde, mit allen seinen Organen, Nerven und Adern. Dies ist für sich genommen schon ein wunderbarer Vorgang, man denke nur an die Komplexität von Organen wie Auge und Ohr. Anders als es die Verfechter einer schrittweisen Entwicklung des Menschen vertreten, zeigt allein der „mechanische" Aufbau des Menschen einige Strukturen, die sich in ihrer Funktionalität einer stufenweisen Herausbildung entziehen, weshalb sie nur in einem Schritt konzipiert und entstanden sein können.
Ein menschlicher Körper aus Erde, selbst wenn von Gott persönlich perfekt geformt, bleibt dennoch nur ein lebloser Kloß aus Materie. Es muss noch etwas hinzukommen, damit ein Mensch = Adam entsteht. Die Bibel sagt klar: Wenn der Körper leben soll, braucht er den Odem des Lebens, auch als Lebenshauch bezeichnet.
Aus diesem Lebenshauch, den nur Gott allein geben kann, wird dann im bzw. am Körper Adams etwas, ohne das nichts im Körper funktionieren könnte und das sich auch als Leben an sich bezeichnen lässt. Die Bibel verwendet dafür die Begriffe Odem, Geist und (Lebens‑)Hauch, welche hier zu betrachten sind.
Wegen 1. Mose 2,7 steht aber ohne Zweifel fest: Der geschaffene Mensch, bestehend aus Körper sowie Hauch/Odem/Geist, ist eine lebendige Seele. Die Seele ist also kein eigener Bestandteil des Menschen, sondern sie bezeichnet den ganzen Menschen als ein lebendiges Wesen bzw. eine Person, worauf später noch ausführlich zurückzukommen sein wird.
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Der erste Schöpfungsbericht am Beginn der Bibel betont die Schöpfung in verschiedenen Schritten innerhalb einer buchstäblichen Woche, mit dem siebenten Tag als von Gott geheiligter Ruhetag für alle Menschen. Dabei ist dieser siebente Tag nicht der Sonntag, sondern der Samstag, gut erkennbar am „Mittwoch" im deutschen Sprachraum. Diesen siebenten Tag als Ruhetag besonders zu halten wird dann — einige tausend Jahre später — ein Punkt in den 10 Geboten. Die Juden feiern ihn als „Sabbat" bis heute, aber leider halten nur wenige christliche Kirchen am richtigen Ruhetag fest, obwohl dieser schon im Paradies von Gott für alle Menschen bestimmt wurde. ↩
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Vor dem Sündenfall haben — beispielhaft — weder Schlupfwespen ihre Eier in Raupenkörper gelegt noch Löwen andere Tiere zerrissen und gefressen. ↩
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Der gemeinsame Ursprung aller Menschen hat Bedeutung auch im Erlösungsplan. Das eine neue Leben Jesu, geschaffen durch seine Auferstehung, kann von allen Menschen im Glauben angenommen werden, wenn sie ihr altes Leben — das auf Adam zurückgeht — aufgeben. ↩