8. Die zweite Auferstehung zum Endgericht¶
Bisher haben wir die Auferstehung und Umwandlung der Erlösten betrachtet. Bleiben die nicht erlösten Menschen für immer tot und unwissend über ihr Verlorensein? Nein, Gott möchte für alle seine Geschöpfe klarstellen, dass er gerecht urteilt und handelt. Die Offenbarung des Johannes (des Evangelisten) beschreibt eine weitere, also die zweite Auferstehung. Diese betrifft die Verworfenen und vollzieht sich zeitlich und in ihren Umständen völlig anders als die Auferstehung der Erlösten. Die zweite Auferstehung führt zum Endgericht und zur Vollstreckung.
Die Bibel zeigt uns den Weg auf, im Glauben an Jesus Erlösung zu erlangen. Offenbarung 20,15 sagt aber sehr deutlich, was geschieht, wenn man Jesus nicht annimmt: Und so jemand nicht ward gefunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl. Den Verlorenen drohen keine zeitlich unbegrenzten Qualen, sondern es wird ihnen ein ewig bleibender Zustand angekündigt, der zweite Tod, die Nichtexistenz. Betroffen sind alle diejenigen, die nicht an der ersten Auferstehung teilhaben. Wichtig ist zu betonen, dass es hier nicht um körperlose „Seelen" geht, sondern um Menschen, die Gott zuvor mit Körper und Geist wieder ins Leben gerufen hat, wenn auch sicherlich nicht in der Herrlichkeit und Reinheit der Erlösten.
Die Offenbarung gibt im Kapitel 20 eine zeitliche Einordnung des Ablaufes nach der ersten Auferstehung: Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der andere Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. (Offenbarung 20,5-6).
Zwischen der ersten und der zweiten Auferstehung liegen demnach tausend Jahre, das Millennium. In dieser Zeit lässt Gott den Erlösten bis in das letzte Detail darlegen, warum diejenigen, die zu diesem Zeitpunkt nicht auferstanden sind, nicht erlöst werden konnten. Erst wenn die Fragen der Erlösten geklärt sind, kommt es zur Auferstehung zum Gericht. Diese zweite Auferstehung betrifft alle Menschen, die jemals auf dieser Erde gelebt haben, aber sich von Gott nicht finden ließen, von der Zeit noch vor der Sintflut bis hin zu den Menschen, die erst bei der Wiederkunft Jesu durch den Anblick seiner Herrlichkeit und der Offenbarung seiner Wahrheit sterben.
Satan ist während des Millenniums an die wüste Erde gebunden. Die Erde ist weitgehend zerstört, es leben in dieser Zeit keine Menschen auf ihr. Denn die Erlösten sind bei Gott im himmlischen Jerusalem, die Verlorenen sind tot und bleiben in den tausend Jahren weiterhin im Grab. Aber nach Ablauf des Millenniums wird Satan die Möglichkeit gegeben, nochmals auf die Menschen einzuwirken: Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis und wird ausgehen, zu verführen die Heiden an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog, sie zu versammeln zum Streit, welcher Zahl ist wie der Sand am Meer. (Offenbarung 20,7-8). Ähnlich wie die Erlösten werden also auch die Verworfenen gesammelt, aber ihr Zustand ist ein gänzlich anderer. Da gibt es keine Umwandlung zur Unsterblichkeit und auch keine Freude auf das Zusammensein mit Jesus, seinen Engeln und den anderen Erlösten.
Satan gelingt es dennoch, die Verlorenen zu sammeln und auf ein Ziel zu vereinen, nämlich den Kampf gegen Gott: Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie. (Offenbarung 20,9).
Obwohl es aussichtslos ist, sammelt sich die gewaltige Zahl der Verworfenen zum Kampf gegen die „geliebte Stadt". Diese Stadt ist das nach den tausend Jahren aus den Himmeln auf die Erde herabgekommene himmlische Jerusalem, gemäß Offenbarung 21,3 „die Hütte Gottes bei den Menschen". Dort, bildlich gesprochen auf der Mauer Jerusalems, stehen die Erlösten. Sie haben in den letzten tausend Jahren prüfen, sehen und nachvollziehen dürfen, dass Gott gerecht handelt. Unten, um Jerusalem herum, befinden sich die Verlorenen, darunter zweifellos auch enge Angehörige, gute Freunde, Bekannte der Erlösten. Alle Menschen, die jemals auf dieser Erde gelebt haben, kommen an diesem einen Moment der Geschichte zusammen, dieser Zeitpunkt ist das eigentliche „Jüngste Gericht", dessen Urteil über jeden Einzelnen aber bereits zuvor gesprochen wurde. Es ist kein Moment der Freude, sondern die Kulmination der Weltgeschichte mit allen ihren schrecklichen Ereignissen.
Was ist der eigentliche Endpunkt der Geschichte dieser Erde, die in die Sünde gefallen ist? Es ist das Anerkenntnis der Herrschaft Jesu und der Gerechtigkeit Gottes durch alle seine Geschöpfe, seien sie erlöst oder verloren, seien es Menschen oder Engel. Gott sagt in Jesaja 45,22-24: Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und keiner mehr. Ich schwöre bei mir selbst, und ein Wort der Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, dabei soll es bleiben: Mir sollen sich alle Kniee beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke. ... In Philipper 2,10-11 wird dies bezogen auf Jesus bestätigt: daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.
Gott möchte, dass nach dem Gericht über Satan, die gefallenen Engel und die verlorenen Menschen eine völlige Klarheit herrscht: Die Beziehung und damit die Abhängigkeit der Geschöpfe von ihrem Schöpfer ist gut, gerecht und alternativlos. Wir haben schon betrachtet, dass jedes Leben von Gott abhängt, der alles Leben geschaffen hat und der es weiter erhält. Und Gott wird es deshalb so geschehen lassen, dass auch die Verlorenen — also diejenigen, die erst in der zweiten Auferstehung wieder zum Leben erweckt worden sind, bevor sie dann den zweiten Tod endgültig sterben — ihre Kniee vor ihm beugen und seine Gerechtigkeit anerkennen.
Satan und die Dämonen waren vor ihrem Fall in die Sünde herrliche Engel, die Gott geschaffen hatte und die bei ihm im Himmel waren. Auch sie sind also Geschöpfe. Selbst sie werden deshalb am Ende Gottes Gerechtigkeit anerkennen müssen. Ihre Strafe wird ohne Zweifel furchtbar sein: Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den feurigen Pfuhl und Schwefel, da auch das Tier und der falsche Prophet war; und sie werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offenbarung 20,10).
„Von Ewigkeit zu Ewigkeit" bedeutet eine lange Zeitspanne1, es bedeutet aber in diesem Kontext nicht buchstäblich „unendlich". Der Feuersee brennt nicht ewig. Warum dann diese Formulierung? Es gibt mehrere andere Stellen in der Bibel, in denen „ewig" offensichtlich nicht „unendlich" beschreibt, so etwa in Judas 7 in Bezug auf das Feuer, welches auf Sodom und Gomorrha gefallen ist — es brannte zur Zeit des Judasbriefes schon lange nicht mehr, jedoch sind diese Städte durch das Feuer vom Himmel für immer und damit auf ewige Dauer ausgelöscht worden. Jeremia 17,27 warnt vor einem unauslöschlichen Feuer, welches die Häuser Jerusalems verzehrt, wenn sich das Volk vom Sabbatgebot und damit von Gott abwendet. Dieses Strafgericht trat unausweichlich ein, eben weil das Volk abfiel, Jerusalem wurde erobert und verbrannt, aber — viele Jahre später — dennoch von Zurückgekehrten mühevoll wieder aufgebaut.
Als der spätere Prophet Samuel geboren wurde und dem Tempel versprochen wird, formuliert es seine Mutter Hanna in 1. Samuel, 1,22 so: ... Bis der Knabe entwöhnt werde, so will ich ihn bringen, daß er vor dem HERRN erscheine und bleibe daselbst ewiglich. Samuel wich in seinem Leben nicht von Gott, insoweit trat diese Aussage voll und ganz ein. Aber Samuel blieb keineswegs für immer am Ort der Stiftshütte, sondern zog in seinem Amt als Richter durch ganz Israel. Es steht also in allen diesen Texten die Unumstößlichkeit eines Ereignisses im Mittelpunkt der Aussage und die Dauerhaftigkeit der daraus erwachsenden Folgen, aber nicht der Vorgang selbst.
Alles Böse einschließlich seiner Folgen wird in den feurigen Pfuhl geworfen und am Ende auf Dauer ausgelöscht werden: Und der Tod und die Hölle (hades) wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der andere Tod. (Offenbarung 20,14).
Ein niemals endender Höllenbrand stünde im Widerspruch zur Gerechtigkeit Gottes, die alle Geschöpfe letztlich aus Überzeugung im Endgericht akzeptieren werden. Deshalb setzt Gott nach dem Endgericht und der endgültigen Vernichtung der Sünde und dem Tod als deren Folge in seiner Eigenschaft als Schöpfer einen Neuanfang. So betont schon Jesaja 65,17-18 die Neuschöpfung der Erde nach dem Endgericht: Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch sie zu Herzen nehmen; sondern sie werden sich ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, was ich schaffe. ... Ein Feuer, dass endlos brennt und straft, passt mit dieser Perspektive auf eine vollkommen schöne neue Erde nicht zusammen. Der nie endende Anblick des Feuers und der darin Gestraften würde die Gedanken immer wieder zurück auf das Geschehen auf der früheren Erde lenken. Das entspricht aber nicht dem Willen Gottes.
Die unbändige Freude der Erlösten und die restlose Auslöschung der Gottlosen als Ausdruck von Gottes Gerechtigkeit wird in Maleachi 3,19-20 vorausgesagt: Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen; da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der künftige Tag wird sie anzünden, spricht der HERR Zebaoth, und wird ihnen weder Wurzel noch Zweige lassen. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln; und ihr sollt aus und ein gehen und hüpfen wie die Mastkälber. Dabei bedeutet „weder Wurzel noch Zweige lassen" eine vollständige und für immer geltende Vernichtung. Es soll ab einem bestimmten Zeitpunkt absolut nichts mehr an die Sünde erinnern, mit Ausnahme der Male an Jesu Händen und Füßen.2
Die Neuschöpfung der Erde nach dem Endgericht wird ebenso in 2. Petrus 3,13 angekündigt: Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Diese Perspektive wird in Offenbarung 21,1 in aller Deutlichkeit ausgeführt: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr.
Dabei sind jedoch nicht die Perfektion der Neuschöpfung und die Schönheit der Erde oder die Pracht der Stadt Jerusalem das wirklich Besondere, sondern das Wunderbarste ist die Nähe Gottes zu den Menschen. Sie sind durch den Glauben an Jesus und die Annahme des von ihm angebotenen neuen Lebens als Erlöste Gottes Kinder: ... Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. (Offenbarung 21,3-4).
Die Offenbarung legt das Ziel der Weltgeschichte offen. Jesus kommt wieder, nachdem sich das Böse vollständig offenbart hat. Er beendet das Treiben der Sünde auf dieser Erde und nimmt alle Erlösten — die noch Lebenden umgewandelt und die schon Gestorbenen auferstanden — mit in den Himmel. Dies ist die erste Auferstehung. Innerhalb von tausend Jahren wird Menschen und Engeln gezeigt, warum die Verlorenen nicht erlöst werden konnten. Die Erde ist in dieser Zeit wüst und menschenleer.
Erst dann, nach den tausend Jahren, werden in der zweiten Auferstehung auch die Verlorenen auferweckt, die angeführt von Satan immer noch gegen Gott kämpfen wollen. Ihre Auflehnung gegen Gott ist aussichtslos. Verlorene Menschen und gefallene Engel empfangen ihre Urteile und alle müssen am Ende die Gerechtigkeit Gottes und die Herrschaft Jesu über alle Geschöpfe als richtig und ohne Alternative uneingeschränkt anerkennen. Auch die Erlösten beugen ihre Kniee — sie tun es freudig, denn ihnen wurde im Detail dargelegt, dass Gott für jeden einzelnen Menschen alles ihm Machbare getan hat. Die Verlorenen sterben für immer im Feuersee — wie lange ihr Sterben dauert, liegt in Gottes Hand.
Die Folgen des Gerichts sind von ewiger Dauer. Sünde und Tod sind ausgelöscht. Die Erlösten wohnen auf einer wunderbaren neuen Erde zusammen mit Gott und haben das große Vorrecht, sich seine Kinder, also Gottes geliebte Kinder, nennen zu dürfen.3 Dieses unbeschreiblich große Geschenk Jesu kann jeder Mensch schon heute im Glauben annehmen: Derselbe Geist (Gottes) gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Römer 8,16).
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Das griechische Wort aeon ist nicht mit der absoluten „Ewigkeit" unseres Sprachverständnisses gleichzusetzen. ↩
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In Johannes 20,27-29 bietet der auferstandene Jesus dem Jünger Thomas an, seine Hände und seine Seite zu berühren. Thomas bekennt seinen Glauben an Jesus Christus als Herr und Gott, er geht später als Missionar bis Indien. ↩
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Johannes 1,12-13: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. ↩