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6. Sterben — die Trennung von Körper und Geist

Warum hat Gott den Menschen geschaffen? 1. Mose 1,28 gibt die Antwort: Der Mensch hatte eine Aufgabe, er sollte sich die ganze Erde untertan machen, sie füllen, bebauen und bewahren — auf unbegrenzte Dauer.

Gott hatte den Menschen demnach als dauerhaftes Wesen mit unbegrenzter Lebenszeit erschaffen. Die uns täglich umgebende Endlichkeit des Lebens ist nicht das Konzept Gottes. Ohne Sündenfall hätten Adam und Eva und alle ihre Nachkommen ewig leben können, allerdings gemäß der göttlichen Ordnung stets als von Gott abhängige Wesen. Wenn wir uns also fragen, was nach dem Tod mit dem Menschen passiert, sollte uns zuerst bewusst sein, dass ursprünglich von Gottes Seite das Sterben des Menschen nicht vorgesehen war.

Auf unserer von der Sünde geprägten Erde ist jedoch der Tod allgegenwärtig. Dies war so von Gott nicht gewünscht, gleichwohl er vorhersehen konnte, was der Sündenfall auf der perfekt erschaffenen Erde (alles war „sehr gut") bei Menschen und Tieren auslösen würde. Im Paradies gab es vor dem Sündenfall keinen Tod. Gott hatte dem Menschen die Früchte und den Tieren die Pflanzen als Speise bestimmt. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise, und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, daß sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also. (1. Mose 1,29-30). Auch ein Wolf war damals also ein Pflanzenfresser und musste keine Rehe jagen und töten.

Mit dem Sündenfall trennte sich der Mensch durch seinen Ungehorsam von Gott. Seitdem ist sein Leben tot. Nur aus Gnade lässt Gott ihn eine begrenzte Zeit weiterleben, zunächst — noch vor der Sintflut — mitunter bis zu mehr als 900 Jahre. Schon das dem Tod vorausgehende Altern der irdischen Geschöpfe ist eine Folge der Sünde, hier erfüllt sich unabänderlich 1. Mose 2,17: aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. Der Grundtext spricht dabei nicht von einem sofortigen Tod, sondern von einem „sterbend sterben", eine harte, aber realistische Beschreibung des langsamen Nachlassens der Lebenskräfte.

Bereits vor Eintritt der Sintflut setzt Gott eine deutlich kürzere Spanne für die Lebensdauer des Menschen bis in unsere Zeit. In der wörtlichen Übertragung von 1. Mose 6,3 heiß es: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschen walten, weil er ja Fleisch ist; seine Tage sollen nur noch 120 Jahre betragen." (aus der Anmerkung der Stuttgarter Jubiläumsbibel zitiert). Wir wissen heute aus der Genetik, dass auch ohne jede Krankheit die Zellen des Menschen irgendwann nicht mehr in der Lage sind, sich zu teilen und sich damit nicht mehr funktionsgemäß erneuern können — längstens nach ziemlich genau 120 Jahren.

Wenn nun Noah selbst und einige seiner Nachkommen in schnell fallender Tendenz noch deutlich mehr als 120 Jahre alt wurden, dann sind dies die letzten Ausnahmen von der Regel. Ab der Sintflut ist die Lebensspanne des Menschen grundsätzlich auf maximal 120 Jahre bemessen.

Was geschieht beim Sterben des Menschen mit seinem Körper und mit seinem Geist? Da der menschliche Körper aus Erde geformt wurde, ist es wenig überraschend, wenn Gott in 1. Mose 3,19 zu Adam sagt: ... bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. Der Körper wird also wieder zu Erde. Das ist etwas, was wir sehen können und daher nicht „glauben" müssen. Die materiellen Bestandteile unserer Körper sind nicht wirklich etwas Besonderes oder Einzigartiges.

Es sollte uns bewusst sein, dass — selbst bei veganer Ernährung — in unserem Körper auch etliche Atome enthalten sind, die zuvor Bestandteil früherer Körper von Tieren und sehr wahrscheinlich auch von Menschen waren. Das ist aber kein Problem. Materie und damit auch Staub und Erde unterliegen festen Naturgesetzen, sie sind austauschbar und erlangen als einmal oder auch mehrfach „benutzter" Bestandteil von Körpern keine neuen Eigenschaften. Es gibt zudem mehr als genug Erde, Lehm und Staub — soweit Gott etwas davon benötigt — um bei der Auferstehung neue Körper entstehen zu lassen.

Während also für den Körper die Folgen des Todes unschwer erkennbar sind, bestehen über die Auswirkungen des Sterbens für den Geist verschiedenste Meinungen, Ansichten und Glaubensdogmen. Die Bibel gibt jedoch eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Verbleib des menschlichen Geistes. Diese Antwort ist erstaunlich einfach, aber naheliegend und schlüssig: Der Geist des Menschen geht zu Gott zurück. Denn der Staub muß wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. (Prediger 12,7). Dieselbe Aussage findet sich in Psalm 146,4: Denn des Menschen Geist muß davon, und er muß wieder zu Erde werden; alsdann sind verloren alle seine Anschläge.

Daraus ergibt sich ein einfaches Bild. Der Körper, geformt aus Staub, wird wieder zu Erde und der Geist, gegeben von Gott, geht wieder zurück zu Gott. Die Trennung von Körper und Geist beendet das Leben des Menschen, beide Bestandteile des Menschen gelangen wieder dorthin, woher sie gekommen sind.

Auf der perfekten Erde vor dem Sündenfall gab es keinen Tod, weder für Menschen noch für Tiere. Dem Menschen waren Früchte und den Tieren grünes Kraut zur Nahrung angewiesen. Es kam also nicht vor, weder bei Tieren noch bei Menschen, dass sich Geist und Körper trennen mussten. Die als Nahrung dienenden Pflanzen besitzen keinen Geist, Unfälle, „Unglücke" oder Auseinandersetzungen mit tödlichem Ausgang gab es nicht.

Ursprünglich war also von Gottes Seite die Verbindung von Geist und Körper untrennbar und dauerhaft angelegt. Adam, Eva und alle ihre Nachkommen sollten ewig leben, selbstverständlich in Abhängigkeit von Gott, letztere abgebildet durch den Baum des Lebens: Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (1. Mose 2,9).

Erst mit der Sünde trat der Tod auf diese Erde. Geist und Körper, die eigentlich für immer untrennbar miteinander wirken sollten, konnten auf einmal getrennt werden. Sterben bedeutet, dass der Geist den Körper verlässt bzw. verlassen muss. Dabei ist der aus Materie bestehende Körper — wieder zu Erde werdend — in dem Sinne weniger bedeutsam, als er in unschöner Form für immer zerfällt, also nicht bestehen bleibt. Der Geist dagegen geht zurück zu Gott. Wie sich dies genau vollzieht, berichtet die Bibel nicht. Sicher ist jedoch, dass nichts aus dem Leben eines Gestorbenen der Vergessenheit anheimfällt.

So beschreibt Offenbarung 20,12 das Gericht über die Toten auf der Basis von Aufzeichnungen: Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. Es ist davon auszugehen, dass diese Bücher = Speicher alles aus dem gesamten Leben eines jeden Menschen korrekt und vollständig wiedergeben, wo notwendig auch über das Erinnerungsvermögen des Betroffenen hinaus.

Das Sterben des Menschen wird im Neuen Testament gleichfalls als Trennung von Körper und Geist dargestellt und der Weg des menschlichen Geistes zurück zu Gott bestätigt. Apostelgeschichte 7,58 berichtet über den ersten Märtyrer nach der Kreuzigung Jesu: und steinigten Stephanus, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! In Lukas 23,46 bezieht sich Jesus selbst auf Psalm 31,6, als er als Mensch am Kreuz stirbt: ... Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!

Was heißt es für den Geist des Menschen, zurück in die Hand Gottes zu gehen? Wäre es vorstellbar, dass er eigenständig existiert und in irgendeiner Form weiterlebt, unabhängig vom irdischen Körper? Die Antwort ist eindeutig Nein! Aus Hebräer 1,14 wissen wir zwar, dass Engel „dienstbare Geister" sind, deren Leben nicht wie bei Menschen an einen materiellen Körper gebunden ist.1 Demnach gibt es also die Möglichkeit, dass ein Geist auch ohne einen materiellen Körper leben kann — aber beim Menschen hat Gott dies nicht vorgesehen. Körper und Geist müssen zusammenwirken, sonst kann der Mensch nicht leben.

Gottes Konzept bei der Schöpfung war offenkundig, dass Geist und Körper von Adam, Eva und allen ihren Nachkommen für immer verbunden bleiben sollten. Der Mensch sollte ewig leben. Erst der Tod als Folge der Sünde führt dazu, dass sich Geist und Körper überhaupt trennen müssen. Wenn jedoch der Geist des Menschen ohne Körper trotzdem mit irgendeinem Bewusstsein „weiterleben" könnte, wäre der Tod lediglich das Ende des Körpers und insoweit keine umfassende Konsequenz der Sünde.2

Für eine aus dem Geist des Menschen wie auch immer gebildete „Seele", die nach dem Sterben bestehen bleibt, aus dem Körper entsteigt und im direkten Anschluss an das irdische Leben nach irgendeiner Auswahl entweder in das Paradies oder in die Hölle eingeht, gibt es keinen biblischen Beleg. Vor diesem Hintergrund sind auch Verse einzuordnen, die auf den ersten Blick etwas anderes aussagen. In 4. Mose 16,33 heißt es über die Rotte Korahs: und sie fuhren hinunter lebendig in die Hölle mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und kamen um aus der Gemeinde. Hanna, die Mutter Samuels, lobt Gott: Der HERR tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus. (1. Samuel 2,6).

Im Grundtext steht das Wort scheol, welches 65mal im Alten Testament vorkommt. Es beschreibt den Ort, wo die Toten hingehen — das Grab. Auch wenn etwa Luther 1912 scheol häufig — jedoch nicht immer — als Hölle übersetzt, muss der Kontext beachtet werden. In Amos 9,2 kündigt Gott ein großes Strafgericht an: Und wenn sie sich gleich in die Hölle (scheol) vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen; und wenn sie gen Himmel führen, will ich sie doch herunterstoßen; Beschrieben wird, dass man dem Gericht Gottes nicht einmal tot im Grab liegend entfliehen kann. Wäre mit scheol eine brennende Hölle gemeint, käme sie als Fluchtort vor einem Gericht nicht sinnvoll in Frage.

Jona betet im Bauch des Fisches (wahrscheinlich eher ein Wal): Und sprach: Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir; ich schrie aus dem Bauche der Hölle (scheol), und du hörtest meine Stimme. (Jona 2,3). Im Sturm, im Meer und im Bauch des Fisches war Jonas Leben in großer Gefahr, er war dem Tode im Sinn eines Liegens im Grabe nah, aber nicht der Hölle. Das Gebet, welches Jona spricht, bevor er wieder an Land gelangt, zeigt Jonas großes Vertrauen auf Gott. Jona nimmt jetzt, mehrfach in Todesnähe gebracht, seinen persönlichen Auftrag von Gott an, nach Ninive zu gehen. Der Erfolg seiner Predigt dort zeigt, warum Gott Jona auswählte.

Als Jakob um den totgeglaubten, weil nach Ägypten verschleppten Joseph trauert, sagt er in 1. Mose 37,35: ... Ich werde mit Leid hinunterfahren in die Grube (scheol) zu meinem Sohn. Und sein Vater beweinte ihn. Offensichtlich geht es hier nicht um eine brennende Hölle, denn Jakob und schon der junge Joseph waren tiefgläubige Menschen mit Erlösungsgewissheit.

Auch im oben angeführten 1. Samuel 2,6 zeigt das „wieder herausführen" seitens Gottes eindeutig auf das Grab und die Auferstehung des Menschen, nicht auf eine brennende Hölle ohne Aussicht auf ein Entkommen. Bei der Rotte Korahs wiederum steht die Verurteilung durch Gott im Vordergrund. Es ist kaum davon auszugehen, dass diese vom Erdboden verschluckten Menschen Erlösung empfangen werden — allerdings steht Menschen darüber niemals ein endgültiges Urteil zu. Die Zugehörigen Korahs gelangen jedenfalls plötzlich und unvermutet (jedoch zuvor gewarnt) in ihr irdisches Grab und werden ihr Gericht empfangen.

Selbstverständlich gehen die Taten und das Wirken eines Menschen nicht verloren, wenn er stirbt. Alles, was geschehen ist, wird festgehalten, nicht weil Gott es nötig hätte, um sich zu erinnern, sondern weil er buchstäblich jedem seiner Geschöpfe zeigen möchte, dass er gerecht handelt und urteilt. So ist Maleachi 3,16 ein Trost für alle, die Verfolgung leiden: Aber die Gottesfürchtigen trösten sich untereinander also: Der HERR merkt und hört es, und vor ihm ist ein Denkzettel geschrieben für die, so den HERRN fürchten und an seinen Namen gedenken.

Auf den Tag des Gerichts, an dem alles offenbar wird, weist Jesus in Matthäus 12,36-37 hin: Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Es sollte bei ehrlichem Nachdenken über sich selbst jedem Einzelnen klar werden, dass ohne Gnade, also ohne das Geschenk der Vergebung, das Jesus uns anbietet, kein Mensch in diesem Gericht bestehen kann.

Galater 2,16 betont dementsprechend die Bedeutung des Glaubens für die Erlösung: doch weil wir wissen, daß der Mensch durch des Gesetzes Werke nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesum Christum, so glauben wir auch an Christum Jesum, auf daß wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch des Gesetzes Werke; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht. Der Mensch nach dem Sündenfall ist getrennt von Gott. Von sich aus ist er nicht mehr in der Lage, auch nur den Wortlaut der 10 Gebote als eine Zusammenfassung von Gottes Willen wenigstens äußerlich einzuhalten. Wenn er die Erlösung durch Jesus Christus nicht annimmt — und dies kann nur durch den Glauben in Form einer Neugeburt „von oben" unter Mitwirkung des Heiligen Geistes geschehen — kann er nicht errettet werden.

Daher sollte Psalm 69,29 als eine ernste Warnung verstanden sein, wenn David über seine Feinde schreibt: Tilge sie aus dem Buch der Lebendigen, daß sie mit den Gerechten nicht angeschrieben werden. Wer aus dem Buch der Lebendigen, in der Offenbarung auch als Buch des Lebens bezeichnet, getilgt wird, kann nicht an der Auferstehung der Erlösten teilhaben. Deshalb sagt Jesus in Lukas 10,20 zu seinen Jüngern, die in seinem Namen große Werke tun: Doch darin freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. Die Jünger haben zuvor von Jesus Gewalt über die Dämonen und bösen Engel erhalten, aber der eigentliche Grund zur Freude soll die Erlösung der Jünger und der anderen Menschen sein, die somit zu Christus geführt werden.


  1. In 1. Könige 22,21 wird ein/der (böse) Engel als Geist bezeichnet. Gleichwohl können (gute) Engel körperlich agieren, wenn dies nötig wird. In 1. Mose 19,12-23 wurden Lot, seine Frau und seine Töchter von Engeln handfest „ergriffen", damit sie Sodom endlich verließen. 

  2. Dass wir Menschen nach dem Sündenfall überhaupt noch leben, ist nichts anderes als die Gnade Gottes. Finden wir in unserer begrenzten Zeit nicht zu Gott bzw. lehnen eine Bekehrung ab, ist der zweite, dauerhafte Tod für uns unvermeidlich (Offenbarung 20,15).